Luthers 95 Thesen

Speyer Gedächtniskirche der Protestanten

P R O T E S T A N T I S C H E R   B E G I N N 


T H E S E N D R U C K   A U S   Z E I T Z 


In der Michaeliskirche von Zeitz ist ein Plakatdruck jener 95 Thesen zu sehen, die Martin Luther am 31. Oktober (oder - wahrscheinlich - am 01. November) 1517 an der Tür der Schlosskirche in Wittenberg befestigt haben soll. Dieses Ereignis gilt als der Beginn der Reformation.
Vermutlich gab es einen von Martin Luther selbst veranlassten Urdruck der Thesen, der nicht mehr vorhanden ist. Einige Nachdrucke aus dieser Zeit sind jedoch erhalten geblieben, darunter dieses Blatt, das oben zu sehen ist.
Das Blatt besteht aus Büttenpapier, auf dem der zweispaltige Text eine Fläche von etwa einem DIN A4-Papier einnimmt (22,5 x 35 cm).
Der Text wurde wahrscheinlich von dem Leipziger Jakob Thanner gedruckt. Zur Zählung verwendete er arabische Ziffern, wobei sich allerdings einige Fehler einschlichen: so an der Stelle 24 oder nach These 26 kommt Nummer 17. Infolge dieser und ähnlicher Fehler endet die Aufzählung mit der Nummer 87, obwohl sogar insgesamt 97 Thesen verzeichnet sind.
Die erste These lautet:
"Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: 'Tut Buße', hat er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll."
Mit seinen Thesen wendete sich Martin Luther gegen den Missbrauch des Ablasshandels. Zwei Jahre zuvor hatte der Papst den Verkauf von Ablasszetteln gestattet, wobei die eine Hälfte für den Bau des Petersdomes in Rom bestimmt war, und die andere Hälfte zur Tilgung de Schulden beim Bankhaus Fugger. Wer sich einen Ablasszettel kaufte, erhielt damit schriftlich die Bestätigung, dass ihm Sünden vergeben würden, ohne die dafür sonst üblichen Bußübungen. Angeblich konnte man mit dem Ablass auch die Seelen der Verstorbenen aus den Qualen des Fegefeuers erlösen oder zumindest lindern.
Luther dagegen bestritt, dass man sich mit einem Zettel von Sünden freikaufen könne. Damit war die Frage nach der Kirche und der Stellung des Papstes aufgeworfen und ein höchst aktuelles Thema zur Sprache gebracht. Nach ihrer Verbreitung bildeten die Thesen die Grundlage für die Reformation.

Die Überschrift zu den Thesen lautet in der Übersetzung:
"Aus Liebe zur Wahrheit und in dem Bestreben, diese zu ergründen, soll in Wittenberg unter dem Vorsitz des ehrwürdigen Vaters Martin Luther, Magisters der freien Künste und der heiligen Theologie sowie deren ordentlicher Professor daselbst, über die folgenden Sätze disputiert werden. Deshalb bittet er die, die nicht anwesend sein und mit uns disputieren können, dieses in Abwesenheit schriftlich zu tun. Im Namen unseres Herrn Jesu Christi, Amen."


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